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Wenn Weiterbildungsetats sinken und der Bedarf an qualifizierten Führungskräften steigt, müssen Mitarbeiter selbst aktiv werden
Es ist nicht das einzige Dilemma der aktuellen Wirtschaftsflaute, aber eines das mehr und mehr Menschen zu spüren bekommen werden. Wegfallende Arbeitsplatzgarantien lassen Firmen langfristige Fortbildungen reduzieren, wegen sinkender Umsätze fallen viele der kurzfristigen gleich ganz weg.
Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an die Jobhopper. "Führungskräfte und Führungsnachwuchs müssen damit rechnen, bei zunehmendem Job- oder Firrnenwechsel häufiger nach ihrem aktuellen Wissensstand gefragt zu werden", sagt Dietmar Borsch, Geschäftsführer der AFW Wirtschaftsakademie in Bad Harzburg. So erklärt der Chef des Harzburger Fernlehrinstituts für Manager, warum Fernstudium und Selbststudium in der Flaute einen Nachfrageboom erleben.
Seit Stagnation und Rezession Jobs und Karrieren gefährden, ist bei der Bildungsträgerin, die sich aufs Fernstudium in Managerberufen spezialisiert hat, die Zahl der Studierenden sprunghaft angestiegen: vergangenes Jahr allein um 20 Prozent. "In der Flaute hat das berufsbegleitende Fernstudium Konjunktur", sagt Akademieleiter Axel Schaper.
Einzelne Arbeitnehmer bilden sich daheim antizyklisch weiter, um ihren Arbeitsplatz zu sichern oder ihre Attraktivität bei einem möglichen Jobwechsel zu verbessern. Aber auch rezessive Unternehmen organisieren antizyklische Fortbildung, um die Flaute sinnvoll zu nutzen und bei wieder anspringender Konjunktur einen Wissensvorsprung vor der Konkurrenz zu haben.
Wer mit Studienbriefen zu Hause fernlernt, beansprucht dafür keine Arbeitszeit vom Arbeitgeber, braucht keine teure Vertretung und kann sich mit dem Boss auf firmennahe Lernstoffe einigen. Matthias T. Meifert, Principal der Kienbaum Management Consultants in Berlin, bestätigt: "Fernstudien bieten eine kostengünstige Möglichkeit zur Weiterbildung bei knappen Budgets insbesondere wenn Mitarbeiter die Studienbriefe in ihrer Freizeit bearbeiten und sich an den Kosten beteiligen."
Zurückhaltender äußert sich Dr. Michael Kloss, Büroleiter und Wissensexperte von McKinsey & Company in Berlin. Aus Arbeitgebersicht empfiehlt er Fernstudien nur, wenn Kosten, zeitlicher Rahmen und Zielgenauigkeit der Inhalte anderen Lernformen überlegen sind: "Fernstudium ist sinnvoll, wenn der Mitarbeiter im Unternehmen eine langfristige Perspektive hat."
Rolf Machentanz, Projektmanager bei Colt Telecom in Frankfurt, hat selbst ein Management-Fernstudium abgeschlossen und plädiert dafür, "dass Arbeitgeber hier trotz der schlechten Wirtschaftslage noch mehr Unterstützung bieten". Besonders viel hält er von einem gemeinsamen Fernstudium, um Teammitgliedern einen gleichen Wissensstand zu verschaffen. Jedes Unternehmen könne sich hierdurch erforderliche Qualifikationen kostengünstig und gezielt "selbst heranzüchten" und sichern.
Fernstudienabsolvent Sylvo Pohl, Unternehmensberater in Cottbus, weist auf den teambildenden Effekt des kollektiven Fernstudiums hin: "Wissenserweiterung sollte generell im Team betrieben werden, da Anwendung und Umsetzung ohne Zeitverzug und Aufholwege vollzogen werden können." Das beseitige Kommunikationsprobleme und spare zudem Zeit.
Das Mindeste, was ein Unternehmen zur kollektiven Fortbildung beitragen kann, kultiviert der Tourismusveranstalter TUI zentral von Hannover aus: Allen 1500 TUI-Reiseleitern empfiehlt die oberste Personalentwicklerin Renate Ronnewinkel ein Fernstudium zum Tourismusreferenten. Die TUI Service AG benennt dem Fernlehrinstitut die Aspiranten, die in ihrem jeweiligen Reiseland mit gleichem Studienmaterial allein lernen können. Wer sich daraufhin privat immatrikuliert, erhält einen Rabatt auf die Studiengebühr.
Schon heute brauchen Distancelearner nicht mehr auf ihrem Wohnzimmersofa im eigenen Saft zu schmoren. Längst haben allerlei Präsenzmodule eine Form menschlicher Nähe und damit Erfahrungsaustausch, Praxisbezug und Studienbetreuung ins Fernstudium zurückgebracht.
Noch mehr Interaktion und Dialog bringt E-Learning das Fernstudium via Internet. Firmen, die kollektives Selbstlernen fördern, könnten künftig den Lehrvorgang über ihr eigenes Intranet anschieben, didaktisch leiten, betreuen und beeinflussen.
Der Münchner Pharmamanager Dr. Roland Seidl, der mit einem Fernstudium zum Management-Referenten seinen beruflichen Erfolg nachhaltig beeinflusst hat, gibt Bildungswilligen zu bedenken: "Berufsbegleitende, antizyklische Karrierevorbereitung ist schon deshalb sinnvoll, weil der Studienabsolvent bei Bewerbungsgesprächen an seinem Lebenslauf zeigen kann, dass er in schwierigen Zeiten proaktiv handelt."
Von Eberhard B. Freise
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