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Büffeln nach Dienstschluss

Fernstudium hat in der Flaute Hochkonjunktur/Zeitaufwand nicht unterschätzen
Die Geschäfte laufen schlecht, die Zahl der Arbeitslosen steigt.

Überall wird gejammert: über sinkende Umsätze, fehlende Investitionen und die Politik aus Berlin. Immer mehr Menschen nutzen die Flaute jedoch, um sich mit einem Fernstudium für die Zukunft zu rüsten. "Seit drei Jahren verzeichnen wir enorme Zuwächse", sagt Martin Kurz, der Vorsitzende des Deutschen Fernschulverbandes (DFV). Im vorigen Jahr büffelten bundesweit rund 156 000 Menschen im Fernstudium, Tendenz steigend. Ende 2002 gab es knapp 280 Anbieter - 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Lehrgänge stieg um 13 Prozent auf gut 1800.

Einzelne Anbieter wie das Hamburger Institut für Lernsysteme (ILS) - mit 180 Lehrgängen einer der größten deutschen Anbieter - verzeichneten sprunghafte Teilnehmerzuwächse von bis zu 20 Prozent. "Die Leute erkennen in den schweren Zeiten, dass sie privat investieren müssen", sagt Kurz. Ein Großteil der Fernschüler sei berufstätig und studiere nebenbei.

So hat es auch Matthias Meifert gemacht. An der AFW Wirtschaftsakademie in Bad Harzburg hat er neben seinem Bank-Job ein Studium zum Personal-Referenten absolviert. Mit Erfolg: Mittlerweile ist der 34-jährige Partner bei der Unternehmensberatung Kienbaum in Berlin. Das Studium habe ihm den Einstieg erleichtert, sagt er. "Für den Arbeitgeber ist wichtiger zu sehen, dass sich da jemand über die Tätigkeit in der Firma hinaus engagiert hat."

Den Aufwand für ein Fernstudium sollte man nicht unterschätzen. Je nach Fach verlangt ein Fernlehrgang einen wöchentlichen Mehraufwand von bis zu 15 Stunden - oft zusätzlich zum Zwölf-Stunden-Arbeitstag. Und Kosten: Ein dreijähriges Studium zum staatlich geprüften Betriebswirt an der ILS kostet knapp 5000 Euro. Will ein Realschüler das Abitur nachholen, zahlt er für einen 30 Monate dauernden Kursus insgesamt 3700 Euro.

Damit das Geld nicht in falsche Hände gerät, prüft die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln jedes neue Angebot. "Wir schauen, ob das Lehrmaterial geeignet ist, die Teilnehmer auf den Abschluss vorzubereiten", sagt Ludwig Pelzer von der ZFU. Es werde zudem geprüft, ob Vertrag und Werbung dem Gesetz zum Schutz der Teilnehmer am Fernunterricht (FernUSG) entsprechen. "Es wurde 1977 erlassen, weil vorher viel Schindluder getrieben wurde." An der Haustür seien den Menschen unkündbare Verträge zu schlechten Konditionen untergeschoben worden.

Auch das Bildungsministerium hat erkannt, wie undurchsichtig der Markt ist. Mitte vergangenen Jahres bekam die Stiftung Warentest den Auftrag, die immer größer werdende Zahl von Weiterbildungsangeboten, auch von Fernlehgängen, unter die Lupe zu nehmen.

Für den DFV-Vorsitzenden Kurz liegen die Vorteile eines Fernstudiums gegenüber anderen Formen der Weiterbildung auf der Hand. "Die räumliche und zeitliche Flexibilität ist entscheidend." Beim Fernstudium sind Lernender und Lehrer überwiegend räumlich getrennt. Die Schüler bekommen Lehrbriefe. Auch das E-Learning über das Internet nimmt zu. "Wobei die Institute eher Mischformen aus E-Learning und den klassischen Studienbriefen anbieten", sagt Kurz.

Diese Flexibilität macht den Fernunterricht auch für Unternehmen attraktiv. So arbeitet etwa die Deutsche Bank mit dem ILS zusammen. "Die Lehrbriefe sind eines von vielen Weiterbildungsangeboten in unserem Haus", sagt Steffen Heise aus der Personalentwicklungsabteilung der Bank. Das Fernstudium sei eine kostengünstige und flexible Lernmethode, bei der das Unternehmen die Inhalte bestimmt.

Der Tourismusveranstalter TUI empfiehlt seinen weltweit rund 1500 Reiseleitern ein Fernstudium zum Tourismus-Referenten an einer deutschen Akademie. Wer sich einschreibt, bekommt einen Rabatt auf die Studiengebühr.

Die Deutsche Telekom verlässt sich lieber auf sich selbst: "Wir machen intern sehr viel, da benötigen wir externe Angebote nicht unbedingt", sagt ein Sprecher.

dpa

 

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