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Gespräch mit einem frisch gebackenen Betriebswirt AFW

Sprache, Berufswissen und Weiterbildung sind die drei Eckpfeiler für die soziale und berufliche Integration deutscher Staatsbürger mit familiärem Emigrations-Hintergrund. Der Autoverkäufer Kenan Emanet (39), ein in Hamburg geborener Deutschtürke, ist ein außerordentliches Beispiel dafür, wie durch bewusstes Lernen Eingliederung und Lebenserfolg gelingen.
Als Spross einer Einwandererfamilie ist Kenan Emanet in der zweiten Generation bereits optimal integriert. “Ich habe die positiven Eigenschaften beider Landsleute sowohl privat als auch beruflich in mir vereinigt.” Dies seien die Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Kommunikationsfreude des Türken und die deutsche Arbeitsdisziplin und Zuverlässigkeit.
Bis zum fünften Lebensjahr war Kenan nur mit der türkischen Sprache aufgewachsen; heute beherrscht er beide Sprachen fließend. Dann hat er — wie ein Hamburger Jung — ganz normal auf einer deutschen Schule seinen Hauptschulabschluss erworben, wurde danach bei einem Autohaus in Hamburg erst zum Kfz-Mechaniker und dann zum Autoverkäufer ausgebildet und anschließend, 20-jährig, weiter beschäftigt. Ihn begeisterten die Perfektion im Detail, das Karosserie-Design, der Motorensound eines Sechs-, Acht- oder Zwölfzylinders und die Beschleunigung. Kurz: “Ich habe in jungen Jahren Benzin geleckt.” Damals hatten türkische Mitbürger oft riesige Hemmschwellen, große Autohäuser zu besuchen. “Mein persönliches Ziel war, ihnen diese Angst zu nehmen und unsere Verkaufsräume für sie zugänglich zu machen.”
Ob er sich mehr als Türke oder als Deutscher sieht, ist für Emanet keine Frage. Denn: “Ich fühle mich wie ein Europäer ohne Grenzen. Ich freue mich, wenn ich Menschen kennen lerne, die jeden Tag ihr persönliches Netzwerk vergrößern und gern Brücken zu anderen bauen - egal welche Hautfarbe sie tragen, welcher Nationalität und welcher Religion sie angehören.”
Eine große deutsche Autofirma, nämlich BMW, hat ihn schon zwei Jahre später als Verkaufstalent für ihre große Hamburger Niederlassung entdeckt und ihn in der Gebrauchtwagen-Abteilung eingesetzt; dort ist er noch heute leitend tätig. Da BMW seinen Einsatz und seine zunehmenden Verkaufserfolge schätzte, hat das Unternehmen ihm nach 13 Jahren, als er 35 war, die verantwortungsvolle Position als District Area Manager Middle East in Dubai in Aussicht gestellt. Sein Fernziel war es, später seine Karriere für BMW in der Türkei fortzusetzen.
“Die Aussicht auf diese neue Aufgabe war sehr aufregend, aber noch nicht ganz rund, weil ich noch einige Defizite hatte. Ich musste Englisch in Wort und Schrift beherrschen und, wenn irgend möglich, ein BWL-Studium absolvieren.” Er nahm sofort Englisch-Einzelunterricht und suchte parallel nach der Möglichkeit eines Studiums. 2006 begann Emanet, sich durch ein zunächst zweijähriges Fernstudium zum Betriebswirt bei der AFW Wirtschaftsakademie in Bad Harzburg auf den Job im fernen Dubai vorzubereiten. “Das Angebot dieses berufsbegleitenden, nicht zeit- und ortsgebundenen Lernens hörte sich sehr gut an. Die Studienzeit war kurz und die Studienbriefe lasen sich interessant.”
Dann machte Emanet eine schicksalhafte Begegnung: Er lernte den Chef des Beratungsunternehmens Mutto GmbH kennen, einen BMW-Fan, der ihn bat, ihn bei der Neugründung eines Freizeitparks kaufmännisch zu unterstützen. Mutto hatte ein Grundstück erworben, auf dem auch eine stillgelegte Wasserquelle mit Schürfrechten lag. Sie entwickelten die Idee, die Quelle auszubeuten und in den jungen Markt des Watercooler-Geschäfts einzusteigen. Labortests bestätigten die Güte des Wassers und bestärkten sie in der Geschäftsidee. Emanet zeigte den Partnern, wo die Konkurrenz schläft, wo Marktchancen liegen und wie der Bedarf in diesem Nischengeschäft gedeckt werden konnte. Die Gesellschafter boten ihm eine Partnerschaft an. “So konnte ich von Anfang meine BWL-Kenntnisse in der Praxis anwenden, die ich gerade frisch im Fernstudium erworben hatte.”
Dafür brauchte Emanet zusätzlich Manager-Kenntnisse. Von der unmittelbaren Anwendbarkeit des studierten Wissens ermutigt, schrieb er sich 2007 gleich noch für das BWL-Aufbaustudium mit Management-Fachrichtung bei der AFW ein und konnte das Selbstgelernte noch während des Studiums unmittelbar auf die Praxis des Watercooler-Geschäfts übertragen. Als letzten Baustein seines Aufbaustudiums gab er kürzlich seine Projektarbeit ab, und nach der Abschlussprüfung darf er sich “Betriebswirt AFW” nennen.
Eurotürk
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