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Leben in New York und ein Fernstudium in Deutschland.

2008

Antje Becker arbeitet in New York für die Vereinten Nationen und macht nebenbei ein deutsches Fernstudium zur Personalreferentin. Wie das funktioniert, lesen Sie hier im Interview.

Antje Becker arbeitet für die Vereinten Nationen

A. Becker arbeitet für die Vereinten Nationen

Handelsblatt: Frau Becker, Sie haben in New York für die Vereinten Nationen gearbeitet und nebenbei ein deutsches Fernstudium zur Personalreferentin absolviert. Wie kam es dazu?

Antje Becker: Angefangen hatte ich mein Fernstudium an der afw Wirtschaftsakademie noch als Personalerin einer Unternehmensberatung in München. Als studierte Ethnologin wollte ich mich im Bereich Personal breiter aufstellen. Dann erhielt ich die Jobzusage bei Unicef in New York. Da habe ich meine Fortbildung erstmal auf Eis legen müssen. Umzug, fremde Stadt, neuer Job - das hatte alles Vorrang.

Warum haben Sie die Bücher wieder hervorgeholt?

Ich wusste, das Fernstudium musste ich vor einem erneuten Jobwechsel abschließen, sonst würde das nichts. Der Wechsel zeichnete sich nach drei Jahren ab - ich sollte für Unicef nach Nairobi gehen. Und von dort aus wäre es noch viel schwieriger mit dem Studium geworden - wegen des instabilen Onlinenetzes. Also musste ich einen Zahn zulegen. Zwei Präsenzseminare in Deutschland hatte ich zum Glück schon absolviert. Das letzte habe ich dann mit einem Heimatbesuch verbunden.

Sie hätten das Studium aber doch auch an den Nagel hängen können?

Ja, denn man studiert ja eigentlich mit dem Ziel, einen erfolgreichen Beruf daraus zu machen. Wenn der aber schon da ist, fragt man sich leicht, wozu das Ganze noch? Aber mir ging es um die fachlichen Inhalte, nicht allein um das Abschlusszertifikat.

Wie kommt man damit klar, deutsche Fachinhalte zu lernen, während es jeden Tag im Auslandsjob vielleicht ganz anders zugeht?

Bei einigem muss man sicherlich abstrahieren. Das Recht ist im Ausland ja zum Beispiel ganz anders. Aber die groben Strukturen im Personalwesen sind schon ähnlich. Und das Studium lieferte mir Antworten auf viele Fragen. Zum Beispiel, was sind allgemeine Standards in der Organisationsstruktur und Personalplanung? Wie funktioniert Motivation und ist das universell? Wie viel Zeit zum Lernen haben Sie investiert? Es war aufwendiger als ich dachte. Die afw gibt 20 Stunden pro Woche über 16 Monate als Richtwert an. Das kommt hin.

Wie ist es bei Ihrem Chef und den Kollegen in New York angekommen, dass Sie nebenbei in Deutschland studieren?

Ich habe ihnen erst davon erzählt, als es in den Endspurt ging und ich ein paar Mal freinehmen musste, um zu lernen. Dann gab es jede Menge Anerkennung.

Und wie haben Sie es denn geschafft, sich ganz allein zum Durchhalten und Weitermachen zu motivieren?

Ich habe mir viele kleine Ziele gesetzt, eine Liste mit Abgabeterminen und Noten fürs Erfolgserlebnis gepflegt. Und ich war ja nicht komplett allein. Ein Fernlehrer hielt Kontakt per E-Mail und gab Feedback auf die Studienbriefe, die ich jeden Monat bearbeiten musste. Vor Prüfungen gab es noch mal Extra-Zuspruch.

Sie haben die Abschlussprüfung in New York abgelegt. Das ist eigentlich nicht vorgesehen, oder?

Nein, aber die Akademie war da sehr aufgeschlossen. Und ich habe die Deutsche Botschaft gewinnen können, die Prüfung abzuhalten. Das hat mir eine Abschlussprüfung unter Jetlag-Einfluss erspart.

Würden Sie sich heute noch einmal für eine Weiterbildung in Deutschland entscheiden?

Ja. Das Studium war für mich erschwinglich, hat einen guten Ruf und ich habe jetzt den theoretischen Unterbau, den ich wollte. Das ist die Hauptsache. Ich finde einen US-Abschluss fachlich nicht relevanter als einen deutschen.

Interview: Ulrike Heitze
Quelle: Handelsblatt Perspektiven und www.karriere.de unter dem Titel "Mir geht es um die fachlichen Inhalte" vom 05.12.2008